Ohne Titel, Aquarell auf Papier 29.7 x 21 cm, 2022 Schweiz

 

Von der Dichtung bis zum Kunstwerk. From poetry to artwork. De la poesía a la obra de arte. Vom Kunstwerk bis zur Dichtung. From artwork to poetry. De la obra de arte a la poesía.

 

PLAYTIME: die Fenster, auch sie, 
lesen dir alles Geheime 
heraus aus den Wirbeln 
und spiegelns 
ins gallertäugige Drüben, 

doch 
auch hier, 
wo du die Farbe verfehlst,¹ schert ein Mensch aus, entstummt, 
wo die Zahl dich zu äffen versucht, 
ballt sich Atem, dir zu, 

gestärkt 
hält die Stunde inne bei dir, 
du sprichst, 
du stehst, 
den vergleichnisten Boten 
aufs härteste über 
an Stimme 
an Stoff.

 

Einzelne Wörter oder kurze Verse aus Gedichtbänden¹ werden vom Künstler willkürlich ausgewählt, archiviert und gekennzeichnet, zu jedem Wort oder Vers wird jeweils das Sujet schematisch skizziert, Skizzen projiziert er aufs gewünschte Endformat, er verwendet dafür möglichst wenig Materialien. Individual words or short verses from volumes of poetry¹ are arbitrarily selected, archived and labeled by the artist, the subject for each word or verse is schematically outlined. He projects sketches in the desired final format, using few materials. El artista selecciona, archiva y etiqueta de forma arbitraria palabras individuales o versos breves de volúmenes de poemas. El tema de cada palabra o verso se describe esquemáticamente. El proyecta bocetos en el formato final deseado, utilizando la menor cantidad de materiales posible.

 

Art Galerie Artl gallery Galería de arte, Zürich Switzerland

wo du die Farbe verfehlst¹, 210 x 283 cm, Mischtechnik auf Leinwand, Zürich 2021

 

1  Paul Celan, Gedichte Band II, Bibliothek Suhrkamp, 1977, Schneepart, IV, "wo du die Farbe verfehlst,", Zeile 8, Seite 386

 

 

Abstraktion ist ein Segen, es befreit dich von jeglicher Vorstellung wie etwas auszusehen hat, Abstraktion verbindet ohne dass du es bemerkst, ohne Sprache, ohne Kommunikation, es regt zur Reflexion an. Abstraction is a blessing, it frees you from any idea of what something should look like, abstraction connects without you noticing it, without language, without communication, it stimulates reflection. La abstracción es una bendición, te libera de cualquier idea de cómo debería ser algo, la abstracción se conecta sin que te des cuenta, sin lenguaje, sin comunicación, estimula la reflexión.

 

DU MIT DER FINSTERWILLE, 
du mit dem Stein:

Es ist Überabend,¹  
ich leuchte hinter mir selbst.
Hol mich runter,
mach mit uns 
Ernst.

 

Ueberabend¹, Kohle und Leinöl natur auf Papier, 140 x 200 cm, Zürich, 2020

 

¹ Paul Celan, Gedichte, Band II, Bibliothek Suhrkamp, "Ueberabend", Zeile 3, Seite 350, Frankfurt am Main, 1977, Germany

 


 

Arbeitsprozess / Work processProceso de obra

 

Skizze zum Bild: ein Tümpel, Z3/297¹

Ich male einen Tümpel, am oberen Uferrand entlang eine Landschafts-Spiegelung im Wasser... es könnte auch ein futuristisches Flugobjekt sein oder auch ein Vogel

Bilddimension

Optischer Effekt im unteren Bildbereich. Optical effect in the lower part of the picture. Efecto óptico en la parte inferior de la imagen.

ein Tümpel¹, Kohle mit Leinöl Natur, 
140 x 200 cm, 2020, Schweiz

 

¹ Paul Celan, Gedichte, Band II, Bibliothek Suhrkamp, "ein Tümpel", Zeile 3, Seite 297, Frankfurt am Main, 1977, Germany

 


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... eine geometrische Komposition
... a geometric composition
... una composición geometrica

 


 

DER VON DEN UNBESCHRIEBENEN 
Blättern 
abgelesene Brief¹

der Totstell-Reflexe 
grausilberne Kette darauf, 
gefolgt von drei silbernen 
Takten. 

Du weißt: der Sprung 
geht über dich, immer.

 

abgelesene Brief ¹, Z3/272, Kohle mit Leinöl Natur, 
140 x 200 cm, 2020, Schweiz

 

 

Die geometrische Komposition schafft im Chaos der Dinge, eine ganz konkrete Struktur und absolute Ordnung! The geometric composition in the chaos of things is a very concrete structure and an absolute order! ¡La composición geométrica en el caos de las cosas, es una estructura muy concreta y un orden absoluto! 

 

¹ Paul Celan, Gedichte, Band II, Bibliothek Suhrkamp, "abgelesene Brief", Zeile 3/ Seite 271,  Frankfurt am Main, 1977, Germany

 


 

ICH KANN DICH NOCH SEHN: ein Echo, 
ertastbar mit Fühl- 
wörtern, am Abschieds- 
grat.  

Dein Gesicht¹  scheut leise, 
wenn es auf einmal 
lampenhaft hell wird 
in mir, an der Stelle, 
wo man am schmerzlichsten Nie sagt.

 

Ich kann dich noch sehn: ein Echo,
Dieses Gedicht ist in Paris, 2. 9. 1967 entstanden. Am selben Tag sandte Paul Celan seinem damals zwölfjährigen Sohn dieses Gedicht, "ein ziemlich kurzes, sehr hübsches Gedicht". Auch seiner Frau Gisèle Celan-Lestrange gegenüber bezeichnete er es als "wirklich hübsch", sein Sohn Eric solle es auswendig lernen (PC/GCL 549). Das Original Blatt mit dem Gedicht  ist nicht erhalten; es handelt sich wohl um Schiffbruch, eines der kurzen von Paul Celan übertragenen Gedichte von Supervielle.

Paul Celan / Die Gedichte – Neue kommentierte Gesamtausgabe / Mit 25 Radierungen von Gisèle Celan-Lestrange / Herausgegeben von Barbara Wiedemann, Suhrkamp, ISBN: 978-3-518-42797-2)

https://www.suhrkamp.de/buecher/die_gedichte-paul_celanhttps://www.suhrkamp.de/buecher/die_gedichte-paul_celan_42797.html

 


 

Arbeitsprozess / Work process / Proceso de obra

 

Skizze zum Bildtitel: Dein Gesicht¹

Umsetzung

Zwei versetzte Halbkreise verschieden gross

 

Dein Gesicht¹, Kohle mit Leinoel Natur, 140 x 200 cm, 2020, Schweiz

 

1  Paul Celan, Gedichte Band II, Bibliothek Suhrkamp, 1977, "Dein Gesicht", Zeile 5, Seite 275

 

Ich vergesse die Regeln und sehe, was man mit den Augen nicht sehen und mit bunten Farben nicht wiedergeben kann.  I forget the rules and see what cannot be seen with the eyes and cannot be reproduced with bright colors. Me olvido de las reglas y veo lo que no se puede ver con los ojos y no puede ser reproducido con colores brillantes.

 

KEIN HALBHOLZ mehr, hier,
 in den Gipfelhängen, 
kein mit- sprechender 
Thymian. 

Grenzschnee und sein 
die Pfähle und deren
Wegweiser-Schatten 
aushorchender, tot- 
sagender 
Duft¹.

 


 

Arbeitsprozess / Work process / Proceso de obra

 

Duft¹, Kohle mit Leinöl Natur, 
140 x 200 cm, 2020, Schweiz

 

¹ Paul Celan, Gedichte Band II, Bibliothek Suhrkamp, 1977, "Duft", Zeile 11, Seite 296

 


 

WAS ES AN STERNEN BEDARF, 
schüttet sich aus,

deine Hände laubgrüner Schatten¹  
sammelt es ein, 

freudig zerbeiß ich 
das münzenkernige 

Schicksal.

 

laubgrüner Schatten¹/leafy green shade/sombra frondosa, Mischtechnik auf Papier, 140 x 100 cm, Zürich, 2022

 

1  Paul Celan, Gedichte Band II, Bibliothek Suhrkamp, 1977, "laubgrüner Schatten", Zeile 3, Seite 274

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